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Losnr.:1019 (Österreich)
Titel:k.k.priv. Lebensversicherungs-Gesellschaft Oesterreichischer Phönix
Auflistung:Actie 200 K 15.3.1911 (Auflage 18000, R 10).
Ausruf:50,00 EUR
Ausgabe-
datum:
15.03.1911
Ausgabe-
ort:
Wien
Abbildung:k.k.priv. Lebensversicherungs-Gesellschaft Oesterreichischer Phönix
Stücknr.:16346
Info:Konzessioniert im April 1882 als “Azienda” österreichisch-französische Lebens- und Renten-Versicherungs-Gesellschaft unter Übernahme aller Aktiva und Passiva der Vaterländischen Lebensversicherungsbank in Wien sowie des Versicherungsbestandes der k.k.priv. Azienda Assicuratrice in Triest. 1884 wurde der gesamte Versicherungsbestand der “Patria” in Rückdeckung genommen. Schließlich übernahm die Azienda 1889 nicht nur den Versicherungsbestand, sondern fortan auch den Firmennamen des (1860 von der Dresdner Feuer-Versicherung gegründeten) Österreichischen Phoenix, zu dessen Kunden selbst Angehörige des Kaiserhauses zählten. In den 1920er Jahren entwickelte sich der Phoenix zu Österreichs einzigem internationalen Konzern, er war zuletzt in 23 Ländern tätig und galt als die Nr. 2 aller Lebensversicherungsgesellschaften in ganz Europa. Erkauft war dieser Höhenflug mit agressiven Vertriebsmethoden, nicht kostendeckenden Tarifen zu Dumpingpreisen und einer Serie von Übernahmen. Dass die Löcher in den Bilanzen immer größer wurden, kaschierte der charismatische Unternehmenslenker Dr. Wilhelm Berliner durch beste Kontakte zu Regierungskreisen sowie Bestechung einflussreicher Journalisten und Beamter. Seine Spenden bedachten jüdische Organisationen ebenso wie die Nazis. Als 1931 die Creditanstalt zusammenbrach, geriet auch der mit ihr eng verbundene Phoenix in’s Wanken. Doch Berliner schaffte es noch ein letztes Mal, alle über die wahre Lage zu täuschen. Seine Spezialität war dabei, dass er zu Prüfungen der Versicherungsaufsicht bei allen seinen 30 Gesellschaften im In- und Ausland stets persönlich anreiste und den Aufsehern die Kapitalanlagen in einem Aktenkoffer voller Wertpapiere präsentierte. Es war immer der gleiche Koffer, den er mal in Wien, mal in Berlin zeigte, und die Behörden schöpften auch deswegen keinen Verdacht, weil die Leiter der österreichischen und der tschechoslowakischen Versicherungsaufsicht von Berliner ebenfalls mit Bestechungsgeldern ruhig gestellt wurden. Als Berliner 1936 plötzlich starb, wurde Dr. Eberhard Reininghaus zum Nachfolger bestellt. Dieser Versicherungsfachmann (der 1945-50 Chef der Münchener Rückversicherung wurde) erkannte schon 4 Tage nach seinem Amtsantritt das ganze Ausmaß der Katastrophe: Es waren nicht einmal mehr die Mittel für die fälligen Gehaltszahlungen vorhanden. Die bis dahin geheimgehaltenen korrekten Bilanzen wiesen einen schon seit 1929 immer höher aufgetürmten Verlust von 250 Mio. S aus. Das waren 5 % des österreichischen Volkseinkommens - die äquivalente Summe für das Deutschland unserer Tage wären 150 Mrd. Euro. An diesem Vergleich, die Summe entspricht der gesamten heute vieldiskutierten Staatsverschuldung Portugals, wird das ganze Ausmaß des Desasters deutlich, das die österreichische Bundesregierung schließlich zwang, den Phoenix durch die österreichische Versicherungswirtschaft auffangen zu lassen. Somit hatten alle Versicherten Österreichs durch drastische Leistungskürzungen die Folgen zu tragen, ohne dass damit der Konkurs der Phoenix-Versicherung am Ende zu verhindern war. Der Skandal, den die österreichische Finanzmarktaufsicht heute als “absoluten Tiefpunkt” der Geschichte der Versicherungswirtschaft bezeichnet, führte auch noch etliche kompromittierte Journalisten und Politiker in den Selbstmord und erschütterte das austrofaschistische Schuschnigg-Regime zutiefst.
Besonder-heiten:Mit Feuervogel Phönix im Unterdruck. Zweisprachig deutsch/französisch. Lochentwertet (RB).
Verfügbar:Nur 5 Stück lagen im Reichsbankschatz. Am rechten und oberen Rand kleine Einrisse. (R 10)
Erhaltung:VF
Zuschlag:offen
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Alle Wertpapiere stammen aus unserer Bilddatenbank. Es kann deshalb vorkommen, dass bei Abbildungen auf Archivmaterial zurückgegriffen wird. Die Stückenummer des abgebildeten Wertpapiers kann also von der Nummer des zu versteigernden Wertpapiers abweichen.

 

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